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Roland Berger – Von der Wäscherei zur größten Strategieberatung Europas

Roland Berger ist heute die führende globale Unternehmensberatung mit europäischen Wurzeln. Gegründet wurde die Firma vom ihrem Namensgeber Roland Berger. Wie hat der Gründer einer Wäscherei und spätere BCG-Berater dieses Unternehmen aufgebaut?

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Die Ursprünge bis zum Jahr 1967

Roland Berger wurde 1937, zwei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in Berlin geboren. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie mit bayerischen Wurzeln auf: Sein Vater war Generaldirektor und Ministerberater. Als Gymnasiast in Nürnberg studierte Berger Geisteswissenschaften, Latein und Griechisch und machte 1956 seinen Abschluss. Danach studierte Berger Wirtschaftswissenschaften in Hamburg und München. Als Student absolvierte er mehrere Praktika bei Industrie-, Bank- und Versicherungsunternehmen. Während seiner Zeit als Student sammelte Berger auch erste Erfahrungen als Unternehmer. Berger gründete und leitete ein Wäschereigeschäft, das, weil moderne Waschmaschinen zu dieser Zeit in deutschen Haushalten nicht weit verbreitet waren, ziemlich erfolgreich wurde. 1962 erhielt Berger seinen Abschluss in Betriebswirtschaft von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine herausragenden Noten sicherten ihm die Position des besten Studenten des Jahres.

Die zukünftigen Bestrebungen von Berger waren intellektueller als die Führung eines Wäschereigeschäfts. Er stellte sich einen Job vor, der theoretisch, aber auch pragmatisch sein würde und der es ihm ermöglichen würde, bei einer Vielzahl von Aufgaben zu arbeiten, gleichzeitig zum Allgemeinwohl beizutragen und interessante Menschen auf dem Weg zu treffen. Eines Tages, als er einem Kunden frische Wäsche lieferte, wurde er in ein Gespräch über dieses Thema verwickelt. Die Frau, an die er die Wäsche lieferte, erzählte Berger von ihrem Sohn, der in Mailand für eine amerikanische Beratungsfirma arbeitete; sie empfahl Berger, ihn dort zu besuchen. Berger, der gut Italienisch sprach, war von der Idee fasziniert. Nachdem Berger die Wäscherei drei Jahre lang betrieben hatte, beschloss er, das Unternehmen zu verkaufen, das bis dahin 15 Mitarbeiter beschäftigte. Er reiste nach Italien und wurde vor Ort von der Boston Consulting Group, einer der führenden amerikanischen Strategieberatungen, eingestellt. Berger arbeitete einige Monate im Büro in Boston, bevor er nach Italien zurückkehrte. Anschließende arbeitete er vier Jahre als Berater im Mailänder Büro.

Aufgrund seines starken Wunsches, unabhängig zu sein und auf eigenen Beinen zu stehen, gründete Roland Berger 1967 mit 29 Jahren sein eigenes Beratungsgeschäft. Ausgehend von einer Sekretärin im gehobenen Münchner Stadtteil Bogenhausen beschäftigte sein Unternehmen bald drei Mitarbeiter. Beratung war in Deutschland zu dieser Zeit ein sehr ungewöhnliches Geschäft. Berger verbrachte schätzungsweise ein Drittel seiner Zeit damit, für diesen “neuen” Beruf zu werben, der in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bereits groß war.

Roland Berger wird bekannt in den 1980er Jahren

Während sich die meisten deutschen Unternehmensberater Ende der 1960er Jahre auf Kostensenkungsstrategien konzentrierten und hauptsächlich Verwaltungs- und Betriebsberatung anboten, positionierte sich Roland Berger als Marketing- und Strategieberater. Bergers erster Kunde war eine Werbeagentur, die einem seiner Klassenkameraden gehörte. Seine erste große Herausforderung folgte, als das Reisebüro Touropa den 30-jährigen Berger bat, ihnen bei der Lösung eines Marketingproblems zu helfen. Bergers Lösung, die schließlich in Kraft trat, war die Fusion von Touropa mit drei anderen mittelständischen deutschen Unternehmen, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges. Dies geschah zwei Jahrzehnte vor dem weltweiten Ausbruch des Fusionswahns. Zusammen bildeten diese Unternehmen den neuen Reisegiganten TUI, der in den folgenden Jahrzehnten zu einem der weltweit führenden Akteure in dieser Branche werden sollte. Weitere Aufträge für Roland Berger waren eine Markteinführungsstrategie für Goretex, eine neue Textilfasermarke, und eine Marketingstrategie für eine große deutsche Bank. Weitere große Firmenkunden waren der deutsche Chemiekonzern Hoechst AG und der deutsche Lebensmittelkonzern Dr. Oetker.

In den frühen 1970er Jahren entwickelte sich Roland Berger von einem Ein-Mann-Beratungsunternehmen zu einer Partnerschaft mit einer wachsenden Anzahl von Partnern. Das Unternehmen gründete eigene Marktforschungsgesellschaften. Eine weitere Tochtergesellschaft wurde für Executive Search Services gegründet. Alle diese Tochtergesellschaften wurden unter dem Dach der Roland Berger & Partners Holding GmbH organisiert.

Die Umsätze von Roland Berger verzeichneten in den 1970er und 1980er Jahren ein explosives Wachstum. Drei Jahre nach ihrer Gründung erzielte das Beratungsunternehmen von Berger einen Umsatz von 5,6 Mio. DM. Von 1971 bis 1972 machte sich Berger beim Ausbau seines Geschäfts einen Namen als Dozent für Marketing und Werbung an der Technischen Universität München. Zwischen 1967 und 1970 verdoppelten sich die Einnahmen jedes Jahr. Neue Partner kamen hinzu und das Leistungsspektrum wurde kontinuierlich erweitert. Bis 1974 war Roland Berger die Nummer drei auf dem deutschen Beratungsmarkt nach McKinsey & Co. und Kienbaum. Das Unternehmen war zu einer Full-Service-Beratung geworden.

Ein weiterer Bereich, auf den sich Roland Berger konzentrierte, war die Gewinnung hochwertiger, gut bezahlter Mitarbeiter. Infolgedessen erzielte Roland Berger einen Umsatz von rund 120.000 DM pro Mitarbeiter, während andere Unternehmensberatungen in Deutschland einen Umsatz von durchschnittlich 70.000 bis 80.000 DM pro Mitarbeiter erzielten.

1981 organisierte Roland Berger seine strategische Beratungstochter, die Gesellschaft für Strategische Planung. Als die strategische Beratung jedoch fast 70 Prozent des gesamten Geschäfts ausmachte, integrierte das Unternehmen dieses Geschäft wieder in Roland Berger & Partner. 1987 überschritt der Umsatz von Roland Berger erstmals die Marke von 100 Millionen DM. Bis dahin war Roland Berger mit 180 Beratern und 70 Verwaltungsmitarbeitern die größte deutsche Unternehmensberatung. Achtzehn der 20 größten deutschen Unternehmen aus dem Industriesektor des Landes standen auf der Kundenliste von Roland Berger, ebenso acht der zehn größten deutschen Banken und sechs der zehn größten deutschen Transportunternehmen.

Zu diesem Zeitpunkt suchte Berger nach einem Geschäftspartner mit großen finanziellen Mitteln, der seinem Unternehmen dabei helfen sollte, weiteres Wachstum und die internationale Expansion zu ermöglichen. Die Größe und Bedeutung seines Unternehmens zog die in Frankfurt ansässige Deutsche Bank an, die einen Anteil von 24 Prozent an dem Unternehmen erwarb. Dieser Anteil wurde ein Jahr später auf 75,1 Prozent erhöht. Berger behielt jedoch ein Vetorecht und besaß die restlichen Aktien. Im Rahmen der Vereinbarung mit der Deutschen Bank musste Berger bis mindestens 1995 in seiner Position als CEO bleiben. Die Roland Berger Verwaltungsgesellschaft GmbH wurde als neue Holdinggesellschaft gegründet, die die Mehrheit aller Roland Berger-Unternehmen besaß, während 19 Partner Minderheitsanteile hielten.

Die 1990er Jahre

Roland Berger hat von Anfang an den ausländischen Märkten große Aufmerksamkeit geschenkt. Bereits 1969 wurde das erste ausländische Office des Unternehmens in Mailand. Über die Jahre folgte Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweiz, Niederlande, Japan, uvm. Bis 1986 stammten mehr als 20 Prozent der Einnahmen von Roland Berger aus dem Ausland.

Der Fall der Berliner Mauer 1989 und der darauffolgende Zerfall der Sowjetunion eröffneten Roland Berger neue internationale Märkte, und die Expansion des Unternehmens nach Mittel- und Osteuropa und Asien begann mit u.a. China, Indien und Russland.

In den Vereinigten Staaten war die Situation komplizierter. Die Federal Reserve Bank (FED) erlaubte Geschäftsbanken und ihren Tochtergesellschaften nicht, sich an Beratungstätigkeiten zu beteiligen. Mit der Deutschen Bank als Hauptaktionär von Roland Berger hinderte diese Regel diese daran, eine amerikanische Office aufzubauen. Das Unternehmen arbeitete jedoch weiterhin mit einigen amerikanischen Partnern zusammen.

Bis 1997 beschäftigte Roland Berger rund 800 Berater, und der Umsatz stieg auf über 500 Millionen DM. Rund ein Drittel des Umsatzes des Unternehmens stammte aus dem Ausland, ebenso wie rund die Hälfte der Berater von Roland Berger. Neben dem traditionellen Klientel privater Unternehmen wuchs auch die Zahl der Kunden von Roland Berger aus Regierungen, gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Verwaltungen weiter.

Die Vereinigten Staaten als Ziel der Expansion und darüber hinaus

1998 wurde Roland Berger wieder unabhängig, als die Manager des Unternehmens einen Buy-out von 89,9 Prozent der Anteile der Deutschen Bank an der Beratung durchführten. Die restlichen 10,1 Prozent wurden dann bis zum 1. Januar 2000 von der Deutschen Bank übernommen. Die Transaktion ebnete Roland Berger den Weg in die USA – den weltweit größten Markt für Beratungsdienstleistungen.

In den USA zu konkurrieren, war für Berger jedoch keine leichte Aufgabe. Laut einer Studie der Kennedy Information Research Group aus dem Jahr 1999 war Amerika das Land der Top-Management-Beratungsunternehmen und Heimat von 14 der 15 größten Strategieberatungsunternehmen der Welt. Berger war auch gezwungen, in den Kampf um die besten Talente der amerikanischen Business Schools einzutreten; der Name Roland Berger war jungen Absolventen jedoch nicht so vertraut wie die Namen der großen amerikanischen Spieler.

Der Rückzug von Roland Berger

Am 22. November 2002 wurde der Mann, der das deutsche Beratungsunternehmen gegründet hat, 65 Jahre alt. Selbstverständlich hatte er bereits einen strategischen Plan für das Unternehmen erstellt, wenn seine Führung beendet ist. Damit zog sich Roland Berger aus dem von ihm gegründeten Unternehmen langsam zurück. 2003 übernahm Burkhard Schwenker den Vorstandsvorsitz.

Steckbrief

Roland Berger wurde 1937 geboren und wuchs in sehr guten Verhältnissen in Nürnberg auf. Während er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Hamburg und München absolviert hat, absolvierte er mehrere Praktika und gründete ein Wäschereigeschäft. Nachdem er die Wäscherei drei Jahre lang leitete, wechselte er zu BCG. Er gründete bereits mit 29 Jahren im Jahr 1967 seine eigene Beratung in München, genannt Roland Berger. Zunächst war Roland Berger als Marketing- und Strategieberatung bekannt und hat Unternehmen wie TUI, Goretex oder Dr. Oetker beraten. Das Unternehmen wuchs zunehmend und entwickelte sich zu einer der besten Beratungen in Deutschland. In den 1990er Jahren hat Berger weiter expandiert und internationale Präsenz aufgebaut. 2003 ist Roland Berger als CEO zurück getreten und  Burkhard Schwenker übernahm den Vorstandsvorsitz.

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