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J.P. Morgan – Der Urvater der größten Bankendynastie der Geschichte

John Pierpont Morgan – besser bekannt als J. P. Morgan – war ein US-amerikanischer Unternehmer und der einflussreichste Privatbankier seiner Zeit. Wir stellen Ihn und seine Geschichte vor!

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Das Leben von J. P. Morgan

J.P. Morgan, der mit vollem Namen John Pierpont Morgan heißt, wurde am 17. April 1837 in Hartford, Connecticut geboren. Sein Vater Junius Spencer Morgan war ebenfalls Banker und seine Mutter Juliet Pierpont – wie zur damaligen Zeit üblich – für das Wohl der Familie zuständig. Aus der Kindheits von J.P. ist nur sehr wenig bekannt. Er besuchte die Hartford Public School ehe er an die Episcopal Academy in Cheshire, Connecticut wechselte. Um eine Karriere im Handel anzustreben wechselte J.P 1851 auf die auf Mathematik spezialisierte English High School of Boston, an der er seinen Schulabschluss machte. Nach seinem Abschluss in Boston begann er sein Studium in Europa: Er studierte unter anderem in der Schweiz, im französisch-sprachigen Bellerive und im Anschluss daran in Göttingen an der Georg-August-Universität. In Göttingen machte er 1857 seinen Abschluss in Philosophie. 

Durch sein Studium in Deutschland und der Schweiz lernte J.P. fließend Französisch und Deutsch zu sprechen. Nur vier Jahre nach Studienabschluss im Jahr 1861 heiratete J. P. Amelia Sturges, die jedoch bereits kurze Zeit später an Tuberkulose verstarb. Wiederum nur zwei Jahre später er dann Frances Louisa Tracy, mit der zusammen er vier Kinder hatte: Louisa Pierpont Morgan, J. P. Morgan Junior, Juliet Pierpont Morgan und Anne Tracy Morgan. Um nicht für den Amerikanischen Bürgerkrieg eingezogen zu werden, sondern weiterarbeiten zu können, zahlte John Pierpont einen Betrag in Höhe von 300 US-Dollar. In seiner erfolgreichsten Zeit lebte J.P. Morgan in New York in einer Stadtvilla in der Madison Avenue 219 im Stadtviertel Murray Hill. 

Das luxuriöse Leben des J. P. Morgan

In der Bibliothek seiner Stadtvilla, die auch Black Library genannt wurde, weil sie mit schwarzem Mahagoni ausgekleidet war, traf J.P. Morgan viele einflussreiche Männer des 20. Jahrhunderts und soll Berichten zufolge großen Einfluss auf die Politik der Stadt New York und der gesamten USA genommen haben. Anhand dieser Bibliothek ist aber auch zu erkennen, das J. P. sich sehr gerne mit Luxus umgab. John Pierpont Morgan hatte eine imposante Figur. Mit breitem Körperbau, einem prallen Schnurrbart, stechenden Augen und seiner Liebe zu Zigarren war er eine Erscheinung. Dennoch mied Morgan die Öffentlichkeit und Fotos von ihm, weil er als Folge der Hautkrankheit Rosazea eine verformte, und knall-rote Nase hatte.

Neben seiner zweiten Ehefrau berichten Historiker von mehreren Affären. J.P. Morgan besaß mehrere Yachten, Ausdruck seines Reichtums und seiner Arroganz ist folgende Antwort, den Morgan einem interessierten Besucher gegeben haben soll, als dieser nach dem Preis des Schiffes fragte: „Wenn man nach dem Preis fragen muss, kann man es sich nicht leisten.“ Neben seiner Liebe für Yachten sammelte J.P diverse Kunstwerke und auch Edelsteine. Aufgrund seiner Affinität zu Kunst und Edelsteinen wurde er von 1904 bis 1913 Präsident des Metropolitan Museum of Art (weltweit bekannt als MoMa) in New York. Die große Kunstsammlung, die J.P. viel bedeutete, wurde 1924 in die Pierpont-Morgan-Library-Stiftung in New York City übergeben.

Er förderte neben diesem Engagement auch einzelne Künstler, wie den Fotografen Edward Curtis, dem er zwanzig Bildbände des ‘The North American Indian’ finanzierte, die er zu je 500 Exemplaren herstellen ließ. Die J.P. zustehenden 25 Exemplare dieser Bildreihe, spendete J.P. an Universitäten, so auch an seine ehemalige Universität Göttingen.

Der Universität Göttingen spendete er 1912 auch ein Stiftungsvermögen von 50.000 US-Dollar zur Beschaffung angelsächsischer Literatur . Die Göttinger John Pierpont Morgan Foundation wurde bis 1967 fortgeführt und erst aufgrund der Geldentwertung des 20. Jahrhunderts im Jahr 1967 aufgelöst. Noch heute erinnert die Uni Göttingen mit einer Gedenktafel in der Paulinerkirche an Morgans Stiftung. 

Pierpont Morgan starb 1913 im Alter von 75 Jahren. Das im Jahr 2014 erbaute Hauptquartier der gleichnamigen Bank an der „23 Wall Street“ in New York blieb auch für die nächsten Jahrzehnte die wohl wichtigste Adresse der Finanzmärkte.

J. P. Morgan und die gleichnamige Bank

Kommen wir nun zu J. P. Morgan und der nach ihm benannten Bank. Die Geschichte der Bank reicht bis in das Jahr 1838. In diesem Jahr wurde die George Peabody & Company gegründet. Junius Spencer Morgan, der Vater von J.P. war bei George Peabody & Company einer der Partner. So kam es, dass J.P ab 1857 ebenfalls für diese Firma arbeitete und zwar in London in einer der Niederlassungen der Firma, die seinem Vater anteilig gehörter. Nur ein Jahr später ging J.P. dann zurück in die USA nach New York. 

Nachdem er dort einige Jahre verweilte, gründete J.P. Morgan 1871 zusammen mit Anthony Joseph Drexel, das Bankhaus Drexel, Morgan & Company. Dieses firmierte ab 1895, nach dem Tod von Anthony J. Drexel, als J. P. Morgan & Company. 

Das Unternehmen nutzte insbesondere die Eisenbahnkrise von 1893 für sich, indem es bei den anschließenden Restrukturierungen der Eisenbahngesellschaften die Finanzierung sicherstellte. 1901 war J.P. Morgan federführend bei der Schaffung des Stahltrusts United States Steel Corp. und konnte mehrere Fusionen erfolgreich begleiten. Die United States Stell Corp. war die zu der Zeit größte Aktiengesellschaft der Welt. Neben den Einnahmen aus dem Wertpapierverkauf des Stahltrusts sicherte sich Morgan Einnahmen in Höhe von 150 Millionen US Dollar für Verhandlungsgebühren. 

1902 wurde zusätzlich ein Schifffahrtstrust gegründet, die International Mercantile Marine Company. Zu dieser gehörten die White Star Line, für die unter anderem auch die Titanic fuhr. Morgan sollte ursprünglich an der Jungfernfahrt der Titanic im April 1912 teilnehmen und bekam auch eine Luxus-Suite zugewiesen, stornierte sein Ticket allerdings kurzfristig. Zu den Hintergründen dieser Entscheidung gibt es verschiedenste Gerüchte, die jedoch nicht vollständig mit Fakten belegt wurden.

Die erwähnte Schifffahrtsbranche, die Eisenbahnindustrie und der Stahltrust waren allerdings nicht seine einzigen Investmentziele. Auch das Potential der Automobilindustrie wurde von ihm erkannt: Als diese 1903 noch sehr neu auf dem Markt war, steuerte er zwei Drittel des Aktienkapitals der Maxwell-Briscoe Motor Company bei. Der Automobilhersteller wurde drittgrößter seiner Art in den USA und bildet Jahre später die Basis für die bekannte Chrysler Corporation. 

John Pierpont Morgan war somit nicht nur als Banker sondern auch einer der größten Investoren in den USA zur damaligen Zeit. Er prägte beim Investieren den Begriff „Morganisieren“. Dieser Begriff beschrieb das Vorgehen, in Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu übernehmen und neu auszurichten. Morgan legte bei seinen Investitionen und Bankgeschäften großen Wert auf Stabilität und Vorhersagbarkeit der Geschehnisse. Mehrmals griff er mit dieser Idee auch in die Staatsfinanzen ein und rettete die USA so vor dem finanziellen Ruin. Zugleich konnte er die Staatsanleihen, die er 1895 und 1907 in Krisenjahren erwarb, nur kurze Zeit später gewinnbringend wieder verkaufen. 

Bis zu seinem Tod weitete Morgan seine florierenden Geschäfte in der Eisenbahnbranche, im Bankenwesen und der Schifffahrt auch auf die Telekommunikations- und Elektroindustrie aus. Dabei war er insgesamt überaus erfolgreich und einflussreich, er kontrollierte 1901 unter anderem über 50% des Eisenbahnstreckennetzes und zwei Drittel der gesamten Stahlproduktion in den USA.

1912 wurde ein Prozess gegen ihn wegen fragwürdiger Finanzgeschäfte geführt. Trotz eines Freispruchs, wurde im Zuge der Gerichtsverhandlungen sein Einfluss und sein Vermögen öffentlich zugänglich.

Die Bank nach J.P. Morgans Tod

J.P. Morgan starb 1913 in Rom. Trotz seiner vielen Erfolge wurde die Bank nach seinem Tod nicht von der Krise verschont. Als Reaktion auf den großen Börsencrash von 1929 wurde das Glass-Steagall-Gesetz verabschiedet. Dieses Gesetz sah die Trennung von Kredit- und Wertpapiergeschäft vor. Nachdem J. P. Morgan sich deswegen aus dem Wertpapiergeschäft zurückgezogen hatte, gründete sein Sohn Henry Morgan, 1935 gemeinsam mit anderen ehemaligen Partnern von J. P. Morgan die Investmentbank Morgan Stanley. Morgan Grenfell in London entstand durch die Abspaltung des Auslandsgeschäfts von J. P. Morgan.

Morgan Grenfell wurde später dann aber von der deutschen Bank gekauft, wobei sie den Namen als Branding weiternutzten und sobald sich die deutsche Bank dann selbst einen Namen gemacht hatte, haben sie auch alle Morgan Grenfell Standorte zu deutsche Bank Standorten gemacht. Die J.P Morgan Bank, welche noch immer seinen vollen Namen trägt, fusioniert im Jahr 2000 mit der Chase Manhatten Bank, wobei diese die damals genannte J. P. Morgan & Co für 36 Milliarden übernahm. Nach dieser Übernahme entstand die Bank, wie wir sie heute kennen, JPMorgan Chase & Co.

Steckbrief

J.P. Morgan gilt als der Urvater der größten Bankendynastie der Welt. Er lebte in großem Luxus in New York und hatte neben seiner Ehe wohl einige Affären. Doch bekannt wurde er mit seiner nach ihm benannten Bank, die insbesondere mit der Eisenbahnindustrie, der Schiffsbranche und dem Bankwesen zusammen arbeitete. Er war so erfolgreich, dass das Vorgehen Unternehmen zu übernehmen und neu auszurichten auch als Morganisierung bezeichnet wurde. Heutzutage ist die Bank noch immer unter dem Namen J.P Morgan bekannt, nach mehreren Fusionen lautet nun aber vollständig JPMorgan Chase & Co.

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