GAME.CHANGERS | Lesezeit: 4 Minuten

Bill Bain – Vom BCG-Thronfolger zum Bain & Company Gründer

Bain & Company gehört heute zu den Top-3 Strategieberatungen, doch was viele nicht wissen, ist, dass der Gründer von Bain, Bill Bain, einmal CEO von BCG hätte werden sollen? Wieso er das nicht wurde und stattdessen mit Bain & Company eine der bekanntesten Beratungen der Welt aufgebaut hat, erfahrt ihr in der heutigen Game.Changers Episode.

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Die erfolgreiche Zeit bei BCG

Bruce Doolin Henderson gründete die Boston Consulting Group 1963, als die meisten Beratungen noch mit Leistungsvergleichen und dem Verbreiten von optimalen Vorgehensweisen beschäftigt waren. Henderson jedoch hatte eine andere Vision. Er half mit BCG Unternehmen dabei sich selbst zu differenzieren, um in einer immer kompetitiver werdenden Welt zu wachsen. Als europäische- und japanische Unternehmen begannen in den Markt zu treten, nachdem sie sich vom Krieg erholt hatten, war der Zeitpunkt perfekt. Von Beginn an war Henderson daran interessiert neue Ideen sowie langfristiges Wissen zu vermitteln und nicht nur kurzfristige Geschäfte zu entwickeln. Dieser weitergefasste Fokus half dem Unternehmen Werte wie Integrität zu vermitteln, welche verdeutlichten, dass es BCG um mehr als nur den bloßen Umsatz ging. Zusätzlich zu strategischen Insights auf hohem Niveau, boten sie auch datengetriebene Analysen und nützliche Modelle wie die sogenannte „Experience Curve“ an. Von Anfang an stellte Henderson nur von den selektivsten Business Schools ein.

So interviewte Henderson mit BCG 1967 auch einen gewissen Bill Bain, der Henderson trotz seines Mangels an grundlegenden Geschäftskenntnissen so beeindruckt hat, dass er ihm einen Job bei BCG anbot. Bain stieg schnell durch die Reihen von BCG auf und wurde bekannt für seine harte Arbeit, seine Liebe zum Detail und sein körperlich fittes Aussehen. 1970 entschloss sich BCG zu einem Experiment: Man teilte das Unternehmen in 3 Teams auf, die miteinander im Wettbewerb stehen sollten. Es gab ein blaues, ein rotes und ein grünes Team. Bill Bain leitete zusammen mit Patrick Graham das blaue Team. Dieses Team sollte nach einiger Zeit die Hälfte der Einnahmen von BCG erzielen.

Hinter den Kulissen war die Rede davon, dass Bain Hendersons wahrscheinlicher Erbe war. Sein Mentor war jedoch noch nicht bereit, sich zur Ruhe zu setzten, wie Bain es wollte. 1972 versuchte Bain erfolglos, Henderson zum Rücktritt zu zwingen. Darüber hinaus war Bain zunehmend frustriert über den projektorientierten Ansatz der BCG, bei dem die Herausgabe von Berichten über das Erreichen von Ergebnissen im Vordergrund stand und man Unternehmen bei der Umsetzung der Strategien nicht unterstützen wollte. Bain wird zu der Zeit zitiert mit den Worten: “Ich habe mich gefühlt wie ein Berater auf einer einsamen Insel, der einen Bericht schreibt, ihn in eine Flasche steckt, ins Wasser wirft und dann zum nächsten weitergeht.

 

Die Gründungsjahre von Bain & Company

1973 teilte Bain Henderson mit, dass er und sein Kollege Patrick Graham kündigen würden, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, ein Softwareunternehmen. Diese Ankündigung kam am Tag bevor Henderson zu einem Meeting nach Spanien fliegen sollte. Während eines Dinners an diesem ersten Abend in Madrider wurde von einem dringenden Anruf von seiner Sekretärin abgelenkt. Es scheint, als würde die „Software Firma“ um BCG-Kunden werben, obwohl dies ein Punkt ist, den Bain bestreitet. Henderson erwischte den nächsten Flug zurück und begann verzweifelt, seine Berater aus dem Bett zu klingeln, um die Kunden seiner Firma zuerst zu erreichen, bevor Bain es tat. Henderson erinnert sich wie folgt: “Es war Krieg.” Als die Waffen aufhörten zu schießen, waren Bain und Graham einige Wochen später mit den meisten Beratern seines blauen Teams von BCG und einigen der größten Kunden abgehauen.

Die gegründete Bain & Company Firma wuchs jahrelang mit mehr als 50% Wachstum. Bereits 1979 wurde das erste europäische Office gegründet. 1984 wurde die Private-Equity Gesellschaft Bain & Company gegründet, Bill Bain übergab dazu einem gewissen Mitt Romney den Vorsitz. Die Gesellschaft sollte andere Gesellschaften kaufen, die dann durch Bain Berater verbessert werden und anschließend weiterverkauft werden.

1986 erreichte man schon 150 Millionen USD Umsatz. Man entschied sich als Firma Kredite aufzunehmen, um die Firma von den Partnern zurückzukaufen und ein Employee Ownership Programm (kurz: ESOP) aufzusetzen. Diese Anteile wurde damals zu einem sehr hohen Preis (5x Umsatz) gekauft und die Firma musste hohe Zinsen darauf bezahlen.

Rückschläge in den 1980er Jahren

Gleichzeitig schien dies ein vorzeitiger Höhepunkt, 1987 folgte der Börsencrash inkl. Black Monday. Viele Kunden wollten erst einmal nicht mehr mit Bain zusammenarbeiten, die Firma musst innerhalb kürzester Zeit 30% der Belegschaft abbauen.

1987 kam es aufgrund eines Projektes mit Guinness außerdem zu einer PR-Krise, da Guinness vorgeworfen wurde Aktienkurse zu manipulieren und Mitarbeiter von Bain auch interne Rollen annahmen. Es wurde Bain kein Fehlverhalten nachgewiesen, dennoch war die öffentliche Kritik aufgrund der doppelten Rolle von Bain-Beratern groß. Auch intern wuchsen die Spannungen. So wusste wohl nur Bain über die genauen Gewinne der Firma Bescheid, die erhaltenen Auszahlungen für die anderen Partner wurden von Bain persönlich bestimmt.

Gleichzeitig machten die aufgenommenen Kredite der Firma einige Probleme. Ein neuer CEO wurde in Nordamerika eingesetzt, aber auch das half nicht. Bill Bain dachte mehrmals über einen Verkauf nach.

Rebound unter Mitt Romney

1991 wurde dann Mitt Romney zurück geordert und zum CEO von Bain. Unter seiner Führung entging Bain der Insolvenz. Er erhöhte die Transparenz für Partner und brachte die Firma wieder auf Kurs. Zu dieser Zeit verließ Bain und weitere Mitgründer die Firma. Mitt Romney entschließ sich 1992 Bain zu verlassen und eine politische Karriere zu starten, die ihn bis zum Präsidentschaftskandidaten führte. Mit Orit Gadiesh übernahm erstmals eine Frau die Firma und brachte Bain & Company zurück auf den Wachstumspfad.

Diese Zeit und die beiden Persönlichkeit Mitt Romney und Orit Gadiesh sind allerdings ihre eigene Game.Changers Episode wert.

Steckbrief

BCG wurde 1963 von B. Henderson gegründet und im Laufe der 60er Jahre aufgebaut. 1967 wurde ein gewisser Bill Bain interviewt, der Henderson sofort beeindruckt hat. So trat Bill Bain BCG bei, hat in seiner Zeit starke Umsatzzahlen abgeliefert und schielte auf die CEO Position. Als dies 1972 allerdings immer noch nicht erfolgreich lief, entschied er sich 1973 mit seinen Kollegen Patrick Graham zu kündigen und Bain & Company zu gründen. Zunächst entstand dadurch ein regelrechter Kampf zwischen BCG und Bain & Company um Kunden und Berater. Bain war extrem erfolgreich, schaffte es jährlich um 50% zu wachsen und expandierte stetig. Der Börsencrash 1987 und der bekannte Black Monday setzten auch Bain zu, doch in den 1990er Jahren wurde Bain wieder auf den alten Wachstumspfad gebracht.

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