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Amorelie Gründerin Lea-Sophie Cramer – Mit Erotikspielzeug zu Millionen

Wer ist die Frau, die mit Mitte Zwanzig ihren Job als Vice President International bei Groupon gekündigt hat, um Amorelie, einen Onlineshop für Liebesspielzeug, zu gründen? Wir stellen sie vor!

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Lea-Sophie Cramer vor der Gründung von Amorelie

Lea-Sophie Cramer wurde am 16. April 1987 in Berlin geboren. Nach ihrem BWL-Studium an der Universität Mannheim begann Cramer ein Praktikum bei der Boston Consulting Group. Ihr früherer Chef bei BCG sagte ihr jedoch während ihres Praktikums dort: „Wir freuen uns, Ihnen ein Angebot zu machen, aber ich persönlich würde Ihnen raten, Unternehmerin zu werden.“ Entsprechend lag die Vermutung nahe, dass ihre Art, zu denken und zu agieren, bereits vor der Gründung von Amorelie sehr selbständig war. Sie nahm das Angebot bei BCG an, doch wechselte noch während ihrer Probezeit zu Rocket Internet und dem Gutschein-Portal Groupon. Schnell arbeitet sich Cramer bei Groupon zur Vice President International Asia hoch, leitet mit Anfang Zwanzig Groupon in elf Ländern und hat Verantworung über 1.200 Mitarbeiter. Obwohl sie sehr schnell Erfolg in dem Unternehmen hat, empfindet Cramer das Reisen als Belastung, da es sie von Freunden und Familie trennt. Es zieht sie deswegen zurück nach Berlin in die Start-Up Szene.

Idee und Gründungsjahre von Amorelie

Grundidee war das Liebesleben zu revolutionieren und Sexspielzeug in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Damals war der Sextoy-Markt durch schmuddelige Shops im Bahnhofsviertel geprägt und Erotik galt als Tabuthema. Zugleich hätten Umfragen Cramers in ihrem privaten Umfeld und der Erfolg des Bestsellers „50 Shades of Grey“ ihr gezeigt, dass es einen Markt für ein positives digitales Kauferlebnis gäbe und die Gesellschaft bereit sei, offen mit der Thematik umzugehen. Je intensiver sich Cramer mit der Idee auseinandersetzte, desto überzeugter war sie davon. 2013 nutzte Cramer dann den anhaltenden Hype um “Sex and the City” und “50 Shades of Grey”, um zusammen mit ihrem Co-Founder Sebastian Pollok den Online-Sexshop Amorelie zu gründen. Zunächst haben die beiden viel ausprobiert in Sachen Produktpalette und Kauferlebnis im Online-Shop. Dabei haben sie teilweise sogar zum Vollpreis eingekauft, um die Nachfrage nach einzelnen Produkten zu testen.

Erfolg mit Erotikspielzeug

Der initiale Plan war es, das Start-Up Amorelie mit Hilfe von Marketing wachsen zu lassen. Doch dann mussten die beiden Gründer die vielen Reglementierungen der Branche kennen lernen, die einen beim Vertrieb von Erotik-Produkten hindern. Dabei gibt es unzählige Tabus in Sachen Online-Marketing sowie auf Social Media, die ein Vertrieb über genannte Kanäle nahezu unmöglich machten. Das erste Jahr musste das junge Start-Up also durch Groupon-Deals überleben und stand mehrere Male vor dem Aus. Groupon ist im Übrigen das Unternehmen, für das Cramer zuvor gearbeitet hat, Kontakt halten schien sich also zu lohnen!

Doch dann entdeckten sie PR als Alternative zum klassischen Marketing. Nachdem ein Artikel in der Bild am Sonntag über das Gründerduo und ihr Sextoy-Startup erschienen war, machten sie an einem Tag 65.000 Euro Umsatz. Cramer zufolge ist Amorelie allein durch PR und Groupon auf 1 Mio. Euro Umsatz im Jahr gekommen. Im Anschluss wurde auch der TV als Werbekanal verwendet, welcher immer relevanter für Amorelie wurde. Heute hat quasi jeder schon einmal vom Amorelie Adventskalender gehört.

Mittlerweile ist Amorelie der erfolgreichste Online-Sexshop Deutschlands und wächst dabei immer weiter. Laut Jahresabschluss 2018 stieg der Umsatz zuletzt auf 60,5 Millionen Euro. 2017 waren es 56,1 Millionen, 2016 waren es nur 36,3 Millionen, im Jahr davor sogar nur 20,6 Millionen. Der Jahresüberschuss 2018 lag bei 5,6 Millionen Euro, 2017 sogar bei 9,6 Millionen. Grund für den Rückgang sind wohl steigende Marketingkosten. Dennoch beachtlich: Amorelie hat seit 2015 – als es noch einen Jahresfehlbetrag von 5,5 Millionen Euro erwirtschaftete – stets ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet!

Weiterentwicklung der Marke

Was als gewöhnlicher Handel mit Sexspielzeug startete, war mittlerweile so ausgereift, dass Amorelie beginnen konnte eigene Toys zu produzieren. Dazu hatte das Gründerduo, trotz Erotikbranche, eine Marke mit einem professionellen Ruf aufgebaut. Zudem konnte das junge Start-Up einen Deal mit der Drogeriekette DM an Land ziehen und sich somit einen absatzstarken Partner für die eigenproduzierten Produkte sichern. Seit 2017 werden auch Händler wie REWE, Edeka, Media Markt, etc. beliefert. Jedoch gibt es mittlerweile auch starke Konkurrenz auf dem Online-Erotikmarkt wie den bekannten Online-Shop eis.de. Auch wenn Eis.de schon länger am Markt ist als Amorelie, sind sie erst seit einer Umstrukturierung vor circa 5 Jahren wieder als direkter Konkurrent zu sehen.

Auch neben ihrer Gründung von Amorelie hat Cramer Spannendes vorzuweisen: Anfang 2014 wird Cramer vom Bundesministerium für Energie und Wirtschaft unter Sigmar Gabriel zur “Vorbild-Unternehmerin” gewählt. Zur gleichen Zeit tritt sie dem Verwaltungsrat von Conrad Electronics bei und macht sich mit Starstrike Ventures GmbH einen Namen –  ein Unternehmen, das in Start-Ups in der Seed-Phase investiert. Außerdem sitzt sie in der ProSieben Gründer-Show „Das Ding des Jahres“ in der Jury.

Trennung von Amorelie

Bereits 2015 hatte ProSiebenSat.1 die Mehrheit an Amorelie erworben. Damals lag die Bewertung von Amorelie bei circa 35 Millionen Euro, wie aus einem alten Jahresbericht hervorgeht. 2018 stockte der Medienkonzern seine Anteile auf rund 98% auf, als Amorelie mit rund 92 Millionen Euro bewertet wurde. Entsprechend konnte das Start-Up seinen Wert innerhalb von 3 Jahren mehr als verdoppeln. Bei dem Deal 2018 verkaufte Cramers Co-Gründer Sebastian Pollok, seine Anteile und verließ das Unternehmen. Die restlichen Anteile hält nun nur noch Gründerin Lea-Sophie Cramer. Diese führte das Start-Up bis Anfang 2020 als CEO und sitzt fortan nur noch im Beirat des Unternehmens.

Aktuell ist sie in einem „Year of Learning“ und will im Anschluss eine neue Gründung angehen. Sie ist sich übrigens sicher, dass zum Erfolg drei Dinge zusammenkommen müssen: willingness, ability und opportunity. Und: Man sollte Spaß an dem haben, was man tut, und enthusiastisch und überzeugt von seinem Handeln sein. So sei es einfacher, andere zu motivieren oder auch Kooperationsmöglichkeiten mit neuen Partnern auszuhandeln.

Steckbrief

Nach einem Studium an der Uni Mannheim und einem kurzen Intermezzo bei BCG, stieg Lea-Sophie Cramer bei Rocket Internet und Groupon ein und leitete dort mit Mitte Zwanzig bereits den asiatischen Markt. 2013 gründete sie mit nur 25 Jahren mit Sebastian Pollok zusammen Amorelie - einen Onlineshop für Erotikspielzeug. Das Unternehmen entwickelte sich mit Cramer als CEO sehr erfolgreich, sodass es 2015 - als ProSiebenSat.1 die Mehrheit der Anteile erwarb - bereits mit 35 Millionen Euro bewertet wurde. Als ProSiebenSat.1 seine Anteile 2018 auf 98% erhöhte, war das Unternehmen nun sogar mit 92 Millionen Euro bewertet. Cramer ist im Januar 2020 als CEO zurückgetreten und fokussiert sich fortan neben ihrer Tätigkeit im Beirat von Amorelie auf eine neue Gründung.

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